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20.01.25

Houscheng (Houschäng) Nejadepour



Rätselhafte Spuren.
Es gibt Augenblicke, die sich unauslöschlich ins Gedächtnis einprägen. So beschreibt es Rainer Bartel in seinem Artikel von 2016:
Wo ist eigentlich Houscheng?
Eine Szene aus den späten 60ern bleibt besonders haften: Houscheng Nejadepour, barfuß und ganz in Weiß gekleidet, steht auf der Stresemannstraße in Düsseldorf, unweit des Teppichgeschäfts seines Vaters. Ein Bild von fast spiritueller Ausstrahlung, das ihn als enigmatische Gestalt der Musikszene erscheinen lässt. Doch dies war nur der Auftakt seiner außergewöhnlichen Reise.

Von The Smash zu Kraftwerk
Houscheng begann seine musikalische Laufbahn mit The Smash, einer Band, die den Übergang von der Beat-Ära zur Psychedelic-Szene prägte. Anders als viele Gruppen der Zeit, die sich noch auf Coverversionen stützten, experimentierte The Smash mit eigenen Songs. Gleichzeitig entstand in Düsseldorf eine Szene, die später zur Geburtsstätte von Kraftwerk wurde. 1970/71 schloss sich Houscheng für kurze Zeit der Formation an, bevor er seinen eigenen musikalischen Weg weiterverfolgte.

Virtuose Klangwelten: Eiliff und Guru Guru
Sein Spiel auf der Gitarre und der Sitar wurde oft mit Soft Machine oder dem Mahavishnu Orchestra verglichen. Mit der Jazz-Rock-Band Eiliff konnte er seine musikalische Vision weiterentwickeln. 1973 folgte der nächste große Schritt: Er schloss sich Guru Guru an. Das Album "Dance of the Flames" trägt unüberhörbar seine Handschrift, doch Spannungen innerhalb der Band führten bald zur Trennung.

Die Begegnung auf dem Bauernhof
Anfang der 1980er-Jahre lernte ich Houscheng persönlich kennen. Er lebte zu dieser Zeit auf einem abgelegenen Bauernhof zwischen Mettmann und Wülfrath. Ich nahm etwa eineinhalb Jahre E-Bass-Unterricht bei ihm. Seine Band Welcome hatte große Pläne, doch mehr als einige regionale Auftritte und ein Demo-Tape kamen nicht zustande.

Plötzlich verschwunden
Eines Tages war er fort. Er war gesundheitlich angeschlagen, hatte Schulden und sein Haschischkonsum war nicht unerheblich. Vielleicht war es die Kombination dieser Faktoren, die ihn dazu brachte, zu verschwinden.
Ein Freund von mir machte damals eine Kopie des Demo-Tapes von Welcome. Jahre vergingen, bis ein weiterer Zufall dieses Tape zurück in meine Hände brachte – ein Stück verschollener Musikgeschichte, ein Echo eines begnadeten Gitarristen, der irgendwann einfach aus der Öffentlichkeit verschwand.
Was wirklich mit Houscheng geschah, bleibt ungewiss. Manche sagen, er sei in den 80ern verstorben, andere glauben, er habe sich auf die Balearen zurückgezogen. Wieder andere berichten, ihn Jahre später in einer Solinger Kneipe gesehen zu haben.
Was bleibt, ist das Geheimnis um Houscheng Nejadepour – und seine Musik, die weiterhin in der Erinnerung lebt. Falls jemand mehr über sein Verbleib weiß, sind Hinweise herzlich willkommen.
Mail: bruns@musicsun.com